Predigt aktuell

Jer. 31,31-34
31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: "Erkenne den HERRN", sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Liebe Gemeinde
Ich war in den vergangenen Tagen auf Röm mit einer Gruppe von behinderten Mitarbeitern der Mürwiker Werkstätten. Zu dieser Freizeit lade ich nun schon seit einigen Jahren ein, nachdem ich vorher Jahr um Jahr den Gottesdienst am Himmelfahrtstag vorbereitet habe, um dann Organist und Kirchendiener nach einem Gebet wieder nach Hause zu schicken. Das Angebot wird von den Behinderten gern angenommen und gemeinsam genießen wir die Zeit, die wir mit- und füreinander haben.

Das ganze nimmt aber nicht weg, dass am vergangenen Donnerstag Himmelfahrt war. Wir denken daran, dass nach einer dringend nötigen Übergangszeit Jesus vor den Augen der Jünger in Gottes Wirklichkeit eingegangen ist - eben zum Himmel aufgefahren ist. Vorher hat er ihnen aber das Versprechen gegeben: "Ich will euch meinen Heiligen Geist senden, der euch Sicherheit geben soll und den Mut von Gottes Liebe weiter zu sagen." Ganz ähnlich hört sich die Zusage an, die Gott durch Jeremia den Juden gemacht hat, über die ich heute predigen soll: "Ich will mit Israel einen neuen Bund schließen und meine Gebote sollen ihr Lebensinhalt sein." Natürlich ist es so, dass diese Zusage Gottes zuerst den Juden gilt, aber dann durch Jesus auch für uns wichtig geworden ist. - Übrigens geht der Name "Neues Testament" auf diese Stelle zurück, denn das Wort "Bund" wurde mit "Testament" übersetzt. Wir verstehen die Zusage Gottes in dem Ostergeschehen und der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten erfüllt. Das "Neue Testament" ist in Kraft. Der neue Bund gilt. Und er gilt allen Menschen. Den Menschen wurde das Wissen um Gottes Liebe in ihr Herz gegeben. Und es ist tatsächlich so, dass inzwischen alle Menschen eine Ahnung von Gott haben. Aber sie reagieren ganz unterschiedlich darauf. Einige sind begeistert und der Glaube ist tatsächlich zu ihrem Lebensinhalt geworden. Woher sie ihren Lebensmut, ihre Kraft und Fröhlichkeit herbekommen. Anderen ist aber die Tatsache, dass Gott sie lieb hat egal und wieder andere versuchen die Freiheit und Liebe die Gott in unser Herz gegeben hat durch Einschränkungen, gewaltsamer Überzeugung oder Hass zu ersetzen. So begegnen uns fanatische Falatisten, die einfach einen Hass auf alle Christen haben. Ich höre staunend von sgn. Predigern, die Homosexuelle von Gottes Liebe ausschließen wollen. Ich erlebe Menschen, die aus der Himmelfahrt Christi einen freien Tag gemacht haben, ohne darüber nach zu denken wieso und warum. Und dann denke ich, das ist eben so. Ostern und Pfingsten sind geschehen. Alle Menschen haben eine Ahnung davon, es ist in ihr Herz gegeben und doch ist von dem Geist Gottes oft ganz wenig zu spüren. Darum müssen wir den Geist Gottes in den Menschen versuchen zu wecken. Wir dürfen Gott um eben diesen Geist bitten, dass er die Menschen erfüllt. Eben nicht nur als Grundwissen da ist, sondern das Leben der Menschen erst herrlich und wunderbar macht. Erfüllt vom Heiligen Geist, das heißt, voll davon zu sein, überschäumendes Glück zu spüren, berauscht zu sein, wie bei einem wunderbaren Verliebt sein. Hemmungslos lachend nach draußen gehen und das Glück mit dem vollen Händen weitergeben. Wir könnten die ganze Welt umarmen und küssen, möchten alle Menschen an unseren Gefühlen teilhaben lassen. - das ist Pfingsten. Das ist der Heilige Geist. Schon jetzt und doch noch nicht. Darum müssen wir Gott immer wieder um diesen Heiligen Geist bitten. Dass alle Menschen zu dieser Gotteserkenntnis kommen. Und das geschieht nach Jeremias durch die Vergebung der Sünden. Das Frei werden von aller Schuld vor Gott lässt uns Gott erkennen. Wo Vergebung ist, da geschieht Gott wirklich, da ereignet sich Gott in unser Leben, da wird Gott erkannt und macht selbst den Weg frei für seinen Heiligen Geist.

Damit schließt sich der Kreis, denn in Jesus hat Gott uns vergeben und wir dürfen nun vor ihn treten und um seinen Heiligen Geist bitten, damit er uns erfülle. Jetzt, heute am Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.
Amen